Der Levit
1950
Das ist die Geschichte. Das ist kein Teil der Geschichtsschreibung der Richter, sondern das ist eine Sammlung von Ereignissen, die uns die sozialen Bedingungen in der Zeit zeigen, als jeder Mann tat, was recht war in seinen Augen und es keinen König in Israel gab. Wir verstehen, dass Micha nicht nach Jerusalem gelangen konnte, und dass er vielleicht aus einer frommen Anwandlung heraus entschieden hat, eine Kopie des Tempels auf seinem eigenen Grund und Boden bauen wollte. Er baute ein für seinen Geschmack angemessenes Gebäude und machte die Instrumente der Stiftshütte, denn das sind Teile der Ausstattung: Darunter das Ephod. Aber er sammelte auch Dinge von den Menschen in seiner Umgebung: Die Teraphim, Götzenbilder, die Gott verboten hatte.
Dennoch sieht man einen Wunsch, so gut auszukommen wie er konnte. Also nahm er ein wenig von der Welt und ein wenig von Israel, das von Gott offenbart wurde, und vermengte das irgendwie, bis er etwas hatte, von dem er dachte, dass es Gott gefallen könnte. Dann war er über die Maßen erfreut, als ein junger Wanderprediger von Bethlehem in Juda des Wegs kam. Er war ein Levit, seine Mutter war aus dem Stamm Juda. Obwohl er ein Levit war, hatte Gott durch Moses die Erlaubnis gegeben, dass Leviten in andere Stämme einheiraten dürften, und dass sie sich bei anderen Stämmen aufhalten dürften.
Dieser junge Mann mochte das Leben nicht, das für jeden Leviten vorgesehen war, sondern er hatte Wanderlust und juckende Fußsohlen, und so wollte er wissen, ob er nicht besser für sich sorgen könnte als für ihn gesorgt war. Er fühlte zwar, dass es gut sei, ein Levit zu sein, aber dass sich daraus bessere Möglichkeiten ergeben sollten, und so kam er zu dem Haus von Micha. Dort wartete er und wurde gefragt, ob er ein Priester werden wollte. Und Micha schloss einen Handel mit ihm. Er sagte: „Wenn du mein Priester sein wirst, sei mein Vater und mein Priester, dann werde ich dir zehn Schekel und ein Hemd geben.“ Hier steht übersetzt Kleidung, aber man weiß, dass die Menschen jener Tage etwas trugen, dass man Gelavia nannte, eine Art übergroßes Nachthemd. Ich weiß nicht genau, was es war, aber es war ungefähr das. Er gab ihm seine Kleidung und die Nahrung und zehn Schekel im Jahr. Das war ein sehr gutes Leben, also entschied sich der Levit, dass er hier bleiben und an dieser Mischung aus Götzendienst und dem, was so geschah im Haus von Micha, teilnehmen wollte.
Aber dann kamen die Leute von Dan des Wegs, die eigentlich die Amoriter nach Gottes Willen hätten vertreiben sollen, aber die Amoriter waren zu schwierig, und so suchten sie nach jemandem, der etwas leichter zu vertreiben war. Sie kamen, wie wir gelesen haben, zu Michas Haus, und der Levit sagte ihnen, sie sollten weitermachen in ihrem Vorhaben. Dann sieht man, wie sie Menschen von den Sidoniern in Lajisch. Diese waren friedlich und es gab niemanden, der sie schützen konnte, und so dachten sie, das würde einen guten Ort abgeben, um etwas Land für sich zu erobern. Als sie mit den Männern kamen, die zur Eroberung des Gebiets geschickt wurden, dachten sie, nachdem sie das Land durch den jungen Leviten gefunden haben, wäre es doch genial, seine Hilfe zu haben.
Und so gingen sie in das Haus von Micha, nahmen alle Dinge dort weg, und es war ein nicht geringer Geldbetrag, der dabei war, denn die Ausrüstung hatte mindestens zweihundert Schekel gekostet. Und so nahmen sie alles, machten es zu ihrem Eigentum und nahmen den Leviten. Ziemlich hart für Micha, aber man sieht, dass sich der junge Levit sehr gut an die Umstände anpasst. Es ist erstaunlich, wie flexibel er war und wie leicht er sich mit derartigen Veränderungen abfinden konnte, als er auf dem Weg ein wenig rational darüber nachdachte. Schon bald konnte er erkennen, dass es viel wichtiger war, einem ganzen Stamm zu dienen als nur einer Familie. Und er konnte so vielen mehr dienen, deswegen konnte er die Weisheit darin erkennen und das rechtfertigen. Ohne große Gewissensbisse konnte er die Anpassungen vornehmen, seine Hand auf den Mund legen, während sie die Ausrüstung aus der kleinen Kapelle nahmen, die Micha gebaut hatte. Aber er war nichtsdestotrotz ein weiser Mann, denn besser als an der Front zu gehen, wo er in Gefahr geraten könnte, oder am Ende des Zugs, wo er ebenfalls in Gefahr geraten könnte, war er ein weiser Mann, denn er ging genau in der Mitte. So wäre er sicher, wenn Micha Diener ausgesandt hätte, um ihn zu holen, und hätte Soldaten auf jeder Seite.