Das verlorene Paradies: Leben ohne Gott

19/12/2007

Stell dir vor, es gäbe keine Religion

Stell dir vor, du gehst mit Gott. Buchstäblich...

Es ist Abend in deiner Gartenwelt. Die Wärme des Nachmittags verbleibt auf der Wiese vor dir, aber hinter dir weht eine kühle, duftende Brise durch die sich verdunkelnden Wälder. Die Sonne, tief am Himmel, überschwemmt die Landschaft mit Gold. Bald wird sie ein Meisterwerk über die westlichen Hügel malen. Deine Sinne nehmen die Schönheit auf, und dein Herz schätzt sie, doch diese Wunder können die freudige Erwartung nicht erklären, die wie ein Lied in deiner Seele aufquillt. Es gibt noch einen anderen Grund dafür.

Er kommt. Bald!

Die Person, die dich erschaffen hat, hat versprochen, dich hier zu treffen. Er kommt oft am Abend, weil Er weiß, dass es deine Lieblingszeit für einen Spaziergang ist. Während ihr zusammen spazieren geht, zeigt Er dir viele Dinge - Schluchten, Berge, Ozeane, Felder und all die Kreaturen, die diese wilden Regionen ihr Zuhause nennen. Jeder Moment mit deinem Freund ist von Entdeckung und Wundern geprägt. Aber das größte Wunder von allen ist einfach immer Er. Er ist tiefer als jede Schlucht, größer als jeder Berg, mächtiger als jeder Ozean, sanfter und einladender als jede Wiese, und doch wilder als jedes Seiner Geschöpfe. Er ist deine Freude, und du bist Seine. Du nennst Ihn Vater, und Er nennt dich Sein Kind.

Er ist nicht wie du. Und doch bist du Ihm ein bisschen ähnlich - irgendwie - erstaunlicherweise. Er spricht oft zu dir über deine Rolle in diesem Paradies. Du, zusammen mit dem Gefährten, den Er dir geschenkt hat, sollst es als Seine Vertreter pflegen und regieren. Es ist eine schwindelerregende Verantwortung, doch ihr habt keine Angst, denn Er wird immer da sein, um euch zu lehren und zu führen. Ihr seid völlig abhängig von Ihm, aber dennoch zufrieden. Er ist alles, was ihr braucht.

Es ist dir nie in den Sinn gekommen, dass du dich ängstlich oder schuldig fühlst, dich mit Ihm zu treffen. Du findest Ihn bestimmt nie langweilig oder fade! Du fühlst dich nie „religiös“. In der Tat ist es zweifelhaft, ob jemand dir jemals wirklich das Konzept einer Religion erklären könnte, selbst wenn er es versuchen würde.

Du hast nie „ein Gebet gesprochen“, geschweige denn „gesungen“, obwohl du oft mit Ihm sprichst.

Du hast nie einen Chor organisiert, obwohl du oft zu Ihm singst - genauso wie Er oft zu dir singt.

Du hast nie eine Rede über Ihn gehalten, obwohl du oft liebevoll von Ihm zu der Helferin sprichst, die Er für dich gemacht hat, und sogar zu den Tieren auf dem Feld, wenn du ihnen begegnest.

Er ist die zentrale Tatsache deiner Existenz. Du könntest buchstäblich nicht ohne Ihn leben. Es ist dir noch nie in den Sinn gekommen, es zu versuchen. Dein Leben ist bereits reich an Bedeutung und voller Abenteuer. Kein Wunder, dass du jetzt so erwartungsvoll auf Ihn wartest!

Hört sich dieses Bild vom Leben gut für dich an? Das sollte es.

Du bist dafür geschaffen.

Anatomie des Sündenfalls

Wir alle wissen, wie sich die Tragödie abgespielt hat: Adam und Eva haben gesündigt und das Paradies ging verloren. An dessen Stelle empfingen sie - gewissermaßen schufen sie - eine gefallene Welt, die mit harter Arbeit, schmerzhaften Geburten, schwierigen Beziehungen und am Ende mit dem Tod verflucht war. Du magst für das Paradies erschaffen worden sein, aber du wurdest sicher nicht in das Paradies hineingeboren. Die Sünde ist der Grund.

Aber warum in aller Welt taten Adam und Eva es? Wie konnten sie nur so unvernünftig sein? Sie hatten es ja so gut - vollkommen gut, in der Tat. Wie konnte der Teufel sie betrügen? Die Antwort auf diese Frage fasst die traurige Geschichte unserer gefallenen Spezies zusammen.

Lasst uns den Bericht lesen. Ihr habt ihn zweifellos schon oft gehört, aber ist euch die Strategie des Teufels jemals wirklich aufgefallen?

Die Schlange sprach zu der Frau: Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft?

Da sprach die Frau zur Schlange: Von der Frucht der Bäume im Garten dürfen wir essen; aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: Esst nicht davon und rührt sie auch nicht an, damit ihr nicht sterbt!

Da sprach die Schlange zu der Frau: Keineswegs werdet ihr sterben! Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon esst, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet wie Gott sein und ihr werdet erkennen, was Gut und Böse ist!

Und die Frau sah, dass es gut wäre von dem Baum zu essen, und dass er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er weise macht; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab davon auch ihrem Mann, der bei ihr war, und er aß. (1. Mose 3:2-6)

Was war der Köder am Haken des Teufels? Die Aussicht auf eine unabhängige Existenz, ohne ein von Augenblick zu Augenblick Bedürfnis nach Gott zu haben. „Gott hält euch etwas vor. Er weiß, dass euch die Augen geöffnet werden, wenn ihr der Erkenntnis von Gut und Böse nachjagt. Ihr werdet Ihn nicht brauchen um euch zu sagen, was ihr tun sollt. Ihr werdet weise genug sein, Dinge für euch selbst zu entscheiden. In der Tat, ihr könnt eure eigenen Götter sein!“

Unabhängigkeit war der berauschende Köder. Unglücklicherweise ist die Unabhängigkeit genau das, was die Menschheit aus dem ganzen Geschäft herausbekam. Und es war sicherlich kein besonders gutes Geschäft! Innerhalb weniger Jahrzehnte, nachdem sie auf eigene Faust gehandelt und selbst entschieden hatten, was ihnen gut schien, hatten sich die ersten menschlichen Eltern einen Mörder herangezogen. Innerhalb weniger Jahrhunderte waren Hunger, Krieg, Grausamkeit, Hass, Betrug und Ausbeutung auf der Szene erschienen - alles, was die Menschheit im Laufe der Jahrtausende so erfolglos versucht hat, aus ihren Zivilisationen zu eliminieren.

Die Unabhängigkeit sollte sich so nicht entwickeln, zumindest laut der Schlange. Irgendwie klang es aufregend, als er davon sprach. Intelligent. Wichtig. Raffiniert. Aber er hatte „vergessen“, eine entscheidende Tatsache zu erwähnen: Unabhängigkeit bedeutet immer Trennung. Und Trennung von Gott ist weder aufregend noch intelligent.

Seit dieser ersten Versuchung hat sich unsere Spezies absolut nach Unabhängigkeit von Gott gesehnt und hat den Preis der Trennung von Ihm bezahlt, um sie zu bekommen. Wir mögen immer noch das Aussehen dieser verbotenen Frucht, trotz des Herzschmerzes, den sie uns gebracht hat. Wie die Untertanen in Jesu Gleichnis der zehn Minen betrachten wir die Aussichten, uns Gott zu unterwerfen, und rufen: „Wir wollen nicht, dass Er unser König ist" (Lukas 19,14). Die meisten Menschen, so scheint es, wollen einen Gott, aber sie wollen einen, der sich mit symbolischen religiösen Befolgungen zufrieden gibt und sie dann in Ruhe lässt, damit sie ihr eigenes Leben auf ihre eigene Weise führen können.

Die Menschheit versteckt sich

Wie haben Adam und Eva reagiert, nachdem sie die Frucht gegessen hatten? Versuchen wir noch einmal, den Bericht zu lesen, als ob die Tinte noch frisch auf der Seite wäre:

Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren; und sie banden sich Feigenblätter um und machten sich Schürzen. Und sie hörten die Stimme Gottes des HERRN, der im Garten wandelte, als der Tag kühl war; und der Mensch und seine Frau versteckten sich vor dem Angesicht Gottes des HERRN hinter den Bäumen des Gartens. Da rief Gott der HERR den Menschen und sprach: „Wo bist du?“

Und er antwortete: „Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich, denn ich bin nackt; darum habe ich mich verborgen!“ (1. Mose 3:7-10)

Die erste Reaktion von Adam und Eva nach der Sünde war, sich vor Gott zu verstecken. Die Sünde hatte ihnen neue Instinkte gegeben, wie Selbstbewusstsein, Selbsterhaltung und die Angst vor Strafe. Plötzlich fühlten sie sich so sehr von Gott getrennt. Also versteckten sie sich - und die Menschheit versteckt sich seitdem.

Der gefallene Mann und die gefallene Frau wussten natürlich, dass es unmöglich war, sich in irgendeinem physischen Sinn vor Gott zu verstecken, also krochen sie aus dem Wald heraus und stellten sich Ihm gegenüber, wenn Er rief. Aber sie versteckten sich trotzdem weiter. Der Unterschied war, dass sie sich nun, anstatt sich hinter den dicksten Baumstämmen, die sie finden konnten, zu verstecken, hinter einem Wald von Entschuldigungen, Schuldzuweisungen und Halbwahrheiten versteckten.

Am Ende hatte Gott keine andere Wahl, als Sein Wort zu erfüllen und den ersten Menschen genau die Unabhängigkeit und Trennung zu geben, nach der sie sich sehnten. Nun versteckte Er sich vor ihnen. Zuvor hatten sie ungebrochene Intimität und Freundschaft mit Ihm genossen. Diese Beziehung kam zu einem schlagartigen Ende. Der Baum des Lebens, dessen Früchte die Freundschaft für die Ewigkeit hätten verlängern können, war für immer von ihnen verborgen.

Innerhalb einer Generation war die menschliche Rasse eine lebende, atmende Katastrophe. Mörder zeugten Mörder, und dann organisierten sich die Mörder und begannen, die ersten Städte und Zivilisationen zu bauen. „Zu jener Zeit“, so erzählt uns der 1. Mose Bericht, „fingen die Menschen an, den Namen des HERRN anzurufen“ (1. Mose 4:26). Die Welt war noch jung; Adam und Eva waren noch am Leben. Aber weil es nicht mehr möglich war, (buchstäblich) mit Gott zu wandeln, wie sie es einst getan hatten, schuf die menschliche Zivilisation einen Ersatz:

Die Religion.

Seit jenem Tag haben die Menschen versucht, beides zu haben - Gott durch rituellen Dienst zu besänftigen und dennoch praktisch eine Unabhängigkeit von Ihm zu bewahren. Diese Ziele mögen widersprüchlich erscheinen. Aber die Religion war eine geniale Erfindung, denn sie ließ beide Ziele durchaus möglich erscheinen. Aber wie? Indem man das Leben sorgfältig in zwei verschiedene Kategorien einteilt, die religiöse und die weltliche. Das Religiöse wurde auf bestimmte Zeiten und bestimmte Orte verbannt, mit einigen erfahrenen heiligen Männern, die sowohl als Bindeglied als auch als Puffer zwischen Gott und Mensch dienen sollten. Die säkulare Seite des Lebens war nun frei, um den überwältigenden Teil der Aufmerksamkeit des Menschen zu erhalten.

Die menschliche Kultur schoss nach Gottes Eingreifen in Babel in tausend verschiedene Richtungen. Sprachen, Essen, Kleidung und Bräuche entwickelten sich auf erstaunlich vielfältige Weise. Die Religion entwickelte sich unmittelbar mit ihnen. Aber unabhängig von den äußeren Gegebenheiten sind bestimmte Konstanten geblieben, von Nation zu Nation, die Ozeane überqueren und den Globus umspannen. Die Religion erklärt immer noch bestimmte Orte, Tage und Menschen als „heiliger“ oder „besonderer“ als den Rest.

„Besondere Orte“

Praktisch jede Religion, die den Menschen bekannt ist, hat bestimmte Gebäude oder Orte, die als besonders heilige Orte gekennzeichnet sind. Ihre Namen können sich von Kultur zu Kultur ändern, aber ihre Funktion bleibt die gleiche.

Viele Religionen haben Gebäude errichtet, die „Tempel“ oder ähnliches genannt werden. Historisch gesehen haben die Menschen oft gedacht, dass sie eine bestimmte „Gottheit“ beherbergen. Tempel stecken Gott buchstäblich in eine Kiste! Seitdem sind wir ein bisschen raffinierter geworden, oder so denken wir. Heutzutage betrachten die Menschen die Tempel eher als Strukturen, die religiösen Aktivitäten gewidmet sind.

Eine sehr populäre Religion hat Tempel, die als Gurdwara bekannt sind. Du bist herzlich eingeladen, einen solchen zu besuchen, wenn du dich mit ein paar einfachen Anforderungen einverstanden erklärst. Wenn du eintrittst, ziehst du die Schuhe von deinen Füßen und legst dir einen Hut, etwa wie ein Kopftuch, auf den Kopf. Lass Zigaretten und Alkohol zu Hause; Rauschmittel sind nicht erlaubt. Nachdem du eingetreten bist, gehe langsam zu einem Stuhl, auf dem das heilige Buch der Religion thront. Verneige dich demütig vor dem Buch und bringe dann ein Geldopfer dar. Dann setzt du dich, zusammen mit allen, die den Tempel besuchen, im Schneidersitz auf den Boden und hebst die schalenförmigen Hände hoch, um von den Platzanweisern eine Oblate mit Brot aus gesüßtem Mehl und Butter zu erhalten.

Das ist der Brauch der fünftgrößten Religion auf dem heutigen Planeten. Wirklich aber haben praktisch alle Religionen eine ähnliche Art von Tempel, mit einem vergleichbaren Ritual dazu. Die Menschen haben eine Vielzahl von religiös gewollten Gebäuden gebaut - Tempel, um sicher zu sein, aber auch Klöster, Hünenhügel, mehrstöckige Türme und kunstvolle Bauten mit verzierten Kuppeln und Gebetstürmen.

„Besondere Orte“ können riesig sein. Die Außenmauer eines Tempels in Kambodscha umfasst 203 Morgen (fast ein Quadratkilometer)! Andere „besondere Orte“ können recht klein sein. Viele Religionen haben „Schreine“ gebaut. Diese Strukturen enthalten normalerweise eine Reliquie oder ein Bild, das die Menschen verehren oder anbeten. Besonders engagierte religiöse Menschen können sogar einen Gartenschrein für eine bestimmte „Gottheit“ oder einen „Heiligen“ außerhalb ihres Hauses errichten. Im nördlichen Mittleren Westen der Vereinigten Staaten sind „Badewannen-Madonnen“ mit einer religiösen Statue, die in einer umgedrehten, halb begrabenen Badewanne geschützt ist, eine bekannte Art von Hofschrein.

Trotz der Unterschiede im Maßstab gibt es einen gemeinsamen Zweck für diese Strukturen. Sie sind ein Ort, den die Menschen besuchen können, wenn sie ihre religiöse Pflicht „tun“ wollen.

Es ist faszinierend, dass viele Menschen ganz natürlich die Ähnlichkeit aller „Gebäude mit religiöser Zweckbestimmung“ erkennen, unabhängig von der Religion. In Südostasien zum Beispiel kann sich das Wort wat auf fast jeden „Ort der Anbetung“ beziehen. Ein wat cheen, zum Beispiel, ist ein Gebäude, das für chinesische Religionen verwendet wird, egal ob buddhistisch oder taoistisch. Ein wat khaek ist ein Bauwerk, das von Hindus benutzt wird. Ein wat kris ist ein Gebäude, das von Christen benutzt wird. Wahrhaftig, „aus dem Überfluss des Herzens spricht der Mund“, denn für einen Thailänder ist ein wat ein wat und ein wat ein wat, egal welche Religion es gebaut hat. Wenn du Gott nahe kommen willst (was auch immer deine Vorstellung von Ihm ist), besuchst du den wat deiner Wahl. Im Gegensatz dazu, wenn du weltliche Interessen verfolgen willst, hältst du dich einfach von jedem Wat fern, bis du bereit bist, religiös zu sein.

Die Menschheit hat also einen universellen Drang verspürt, „heilige“ Gebäude zu bauen und sogar bestimmte Flüsse, Berge oder Baumhaine als besonders „heilig“ zu bezeichnen. Es lässt sich wirklich nicht leugnen, dass besondere Orte ein Markenzeichen menschlicher Religion sind. Aber ist das wirklich so eine schlechte Sache?

Nun, bitte bedenke dies: Allein der Prozess, einen bestimmten Ort als „heilig“ zu bezeichnen, kategorisiert automatisch alle anderen Orte als irgendwie weniger heilig. Wenn das „Heilige“ zu Gott gehört, wem gehört dann der Rest? Wenn einige wenige Orte dem religiösen Leben gewidmet sind, wem sind dann die meisten Orte gewidmet? Und wenn du wirklich das Gefühl hast, „in die Gegenwart Gottes einzutreten“, wenn du an einen bestimmten geographischen Ort gehst, was bedeutet es dann, wenn du ihn verlässt?

Was wir damit sagen wollen, ist, dass die Religion gleichzeitig zwei Ziele verfolgt - den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich Gott zu nähern, wenn sie es wünschen, und Ihn in sicherer Entfernung zu halten, wenn sie es bevorzugen. Einige Orte als „besonders“ zu bezeichnen, ist eine entscheidende Art und Weise, wie Religion das Leben abteilt.

„Besondere Zeiten“

Die Religion stellt nicht nur „heilige“ und „weltliche“ Kategorien auf, um die drei Dimensionen von Raum zu unterteilen; sie tut genau dasselbe für die vierte Dimension, die Zeit. Bestimmte Zeitblöcke - ob Stunden an einem Tag, Tage in einer Woche oder Jahreszeiten in einem Jahr - werden als „besonders“ betrachtet.

Wir könnten irgendeine Religion als Beispiel nehmen, aber wir werden eine relativ neue wählen. In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts nahm ein 25-jähriger Kaufmann, der behauptete, ein Prophet zu sein, einen Namen an, der in seiner Sprache „das Tor“ bedeutete. Die örtlichen religiösen Führer unterdrückten seine neue Bewegung brutal und richteten ihn schließlich durch ein Erschießungskommando hin. Bald darauf kam jedoch ein neuer, noch populärerer „Prophet“ aus der Bewegung hervor. Er behauptete, der „Verheißene“ zu sein, der nicht nur von „dem Tor“, sondern angeblich von allen „Religionen“ vorhergesagt worden war. Seine Lehren würden die Grundlage einer neuen Religion bilden.

In diesem System ist der Freitag als ein besonderer Tag der Anbetung vorgesehen. Darüber hinaus gibt es jedes Jahr mehrere „heilige Tage“. An der Frühlings-Sonnenwende treffen sich die Anhänger zum Beispiel zu einem gemeinsamen Abendessen, gefolgt von Gebeten und Lesungen. Dann gibt es eine Reihe von Tagen zum Gedenken an die Gründer der Religion - ihre Geburtstage, die Tage, an denen sie sich zu Propheten erklärten, und die Tage, an denen sie starben. Schließlich gibt es ein Winterfest, bei dem die Mitglieder normalerweise Geschenke austauschen.

Vielleicht hast du schon von dieser Religion gehört, vielleicht auch nicht. Aber so oder so, wenn die ganze Feiertagsszene erkennbar klingt, sollte es so sein. Die Religionen, mit denen du vertrauter bist (wahrscheinlich auch die, in der du aufgewachsen bist), haben einen „heiligen Kalender“, der sich mehr im Detail als in der Substanz von dem unterscheidet, was du gerade gelesen hast.

Viele Religionen legen einen bestimmten Wochentag als besonders fest. Für die Angehörigen einer dieser Religionen erhalten alle religiösen Handlungen, die am Freitag ausgeführt werden, eine größere Belohnung, weil Gott Adam an einem Freitag erschaffen hat. Die Mitglieder einer anderen sind anderer Meinung: sie betrachten den Tag nach Adams Schöpfung als besonders bedeutsam. Milliarden von Menschen betrachten stattdessen den Donnerstag als ihren besonderen Tag. Wie im Beispiel von „Das Tor“ gründen viele Religionen ihre Feiertage auf besondere Ereignisse im Leben ihres Gründers. In ähnlicher Weise halten viele Religionen Feste am ersten Tag des Jahres (wie sie es definieren) oder an einem anderen Punkt im Sonnen- oder Mondkreislauf ab. Jeder heilige Tag hat seine eigene Kultur der traditionellen Bräuche, mit Mahlzeiten, Geschenken, Paraden, Gottesdiensten, Dekorationen und ähnlichem.

Sogar diejenigen, die die Lehren eines bestimmten Glaubens an 364 Tagen im Jahr ignorieren, können immer noch seinen „heiligsten“ Tag feiern. Und sogar Ereignisse oder historische Persönlichkeiten, die weit außerhalb der Hauptgrundsätze der Religion liegen, können schließlich einen Tag zu ihren Ehren bekommen. Zum Beispiel begannen einige liberale religiöse Vereinigungen in den Vereinigten Staaten im Jahr 2006 mit der Praxis, den „Evolutionstag“ an dem Sonntag zu feiern, der dem Geburtstag von Charles Darwin am nächsten liegt! Der Impuls, bestimmte willkürliche Tage als „heilig“ zu bezeichnen, ist immer noch universell, sogar in unserer hochentwickelten „postmodernen“ Ära. Wie ein Komiker einmal sagte: „Ich war einmal Atheist, aber ich habe aufgehört. Keine Feiertage“.

Wieder können wir uns fragen, ob die Gewohnheit der heiligen Tage wirklich so schlecht ist, da jeder es zu tun scheint. Was könnte es schaden? Und wieder können wir antworten, dass allein die Wahl, eine kleine Anzahl von Dingen - seien es geographische Orte oder Tage im Jahr - als „heilig“ zu bezeichnen, automatisch eine andere Kategorie für alles andere schafft. Wenn ein Tag „besonders“ ist, was macht das dann jeden anderen Tag aus? Wenn ein Tag als einzig und allein Gott zugehörig festgelegt wird, wer hat dann wirklich das Eigentum der restlichen Tagen? Wie besondere Orte haben auch besondere Zeiten - ob bewusst oder unbewusst - die Wirkung, das Leben zu unterteilen.

„Besondere Männer“

Wie wir gesehen haben, kann die Religion eine unerbittliche Kategorisierung von Orten und Zeiten sein. Aber es gibt noch eine andere Ware, die sie in das „Heilige“ und das „Weltliche“ einordnet: Menschen. Denn so wie die menschliche Religion bestimmte Orte auf der Landkarte oder auf den Seiten im Kalender als „heilig“ auswählt, so wählt sie auch bestimmte Personen in der Menge als besonders „heilig“ aus.

In „primitiven“ oder Stammkulturen gibt es bestimmte Männer oder Frauen, die als Orakel und Schamanen bezeichnet werden - oder, um politisch weniger korrekt zu sein, als Hexendoktoren und Medizinmänner. Man geht davon aus, dass sie mehr mit der Geisterwelt in Berührung kommen, als ein durchschnittlicher Mensch es kann. Daher glaubt man normalerweise, dass sie besondere Kräfte haben, um Krankheiten zu heilen oder das Wetter zu ändern. Eine solche Religion nennt ihre Schamanen „kluge Männer“ oder „kluge Frauen“. Neben der Heilung und Fürbitte bei der Geisterwelt sind diese „Klugen“ an Initiationsriten und anderen geheimen Zeremonien beteiligt. Sie setzen Stammesgesetze durch und sind gefürchtet wegen ihrer angeblichen Fähigkeit, einen Übeltäter durch das Singen eines magischen Gesangs zu töten. Während man von einer Kultur zur nächsten wechselt, können sich viele der Details ändern, aber die grundlegende Rolle des Schamanen bleibt die gleiche.

Wenn sich die Gesellschaften etwas besser organisieren, übernehmen religiöse Experten gewöhnlich die volle Funktion des „Priesters“. Wie Schamanen sollen Priester eine besondere Verbindung zur Gottheit dieser Religion aufrechterhalten. Ihre Aufgabenbeschreibung wird jedoch erweitert. Sie umfasst nun auch die Durchführung der korrekten Rituale und die Beratung des einfachen Volkes hinsichtlich religiöser Fragen. Priester benötigen normalerweise eine spezielle Ausbildung oder Schulung. Normalerweise werden sie finanziell unterstützt. Das genaue Tätigkeitsbeschreibung für Priester variiert von Religion zu Religion, aber ihre Funktionen sind oft überraschend naheliegend, selbst für einen Außenstehenden. Unabhängig von ihrer Zugehörigkeit können Priester in westlichen Ländern Religionsunterricht erteilen, Rundbriefe herausgeben, Hochzeiten und Beerdigungen durchführen, als Seelsorger beim Militär oder in Gefängnissen dienen und sich sogar mit dem Titel „Ehrwürden“ bezeichnen.

Im Laufe der Geschichte hat das Priestertum seine Vorteile gehabt. Vor Jahrhunderten hat ein Land ein starres, hierarchisches Kastensystem entwickelt. Mitglieder der untersten Kaste wurden gezwungen, alle gefährlichen und unhygienischen Arbeiten für die Gesellschaft zu verrichten, und im Gegenzug litten sie unter strenger Segregation und verzweifelter Armut. Die Priester hingegen fanden sich an der Spitze der Schicht wieder. Als Gegenleistung dafür, dass sie die „Heirats- und Begräbnis“-Rituale für die Gesellschaft durchführten, genossen sie den höchsten Lebensstandard und erhielten den größten Respekt aller ihrer Kasten. Dieses Kastensystem ist noch heute zu finden.

Du lebst vielleicht nicht in einer Gesellschaft mit einem anerkannten Kastensystem. Trotzdem gibt es in den meisten Kulturen immer noch bestimmte „Spezialisten“, die dem einfachen Volk helfen sollen, die göttlichen Anforderungen zu verstehen und zu erfüllen. Aber ein „Verbindungsglied“ kann auch ein „Trennungsglied“ sein. Das ist ein echtes Problem, wenn die Person, von der du getrennt bist, Gott ist, und die Person, die zwischen dir und Ihm steht, nur ein anderer Mensch ist. Dennoch hat jede Gesellschaft, jede Religion, „heilige“ Männer und Frauen ausgewählt, um die Rolle des Vermittlers zu spielen. Warum?

Die Menschheit versteckt sich immer noch vor Gott! Die meisten von uns wollen Ihm nicht wirklich zu nahe kommen. Er könnte unser kostbares „Recht“ (wie wir es sehen), unsere eigenen Götter zu sein, stören. Und wenn es darauf ankommt, haben wir ziemlich Angst vor Ihm. Wir haben ein nörgelndes Gefühl, dass Er wütend ist und etwas Unüberlegtes tun könnte, wenn wir zu nahe kommen! Dennoch erkennen wir immer noch, dass wir Ihn brauchen, um uns während der Meilensteine des Lebens, wie Geburt, Volljährigkeit und Heirat, zu segnen und um uns in den Krisen des Lebens, wie Krankheit, Hungersnot oder dem Tod eines geliebten Menschen, zu retten oder zumindest zu trösten. Die Religion bietet eine Lösung für dieses Dilemma. Sie wählt jemanden aus, der sich Gott in unserem Namen nähert, so dass er oder sie die meisten Risiken für uns auf sich nehmen kann, während er oder sie für uns etwas von Gottes Segen erlangt.

Die verborgenen Kosten der Religion

Auf den ersten Blick mag Religion wie eine der genialsten Erfindungen der Menschheit erscheinen. Aber mächtige neue Erfindungen können oft unbeabsichtigt katastrophale Auswirkungen haben. Wie steht es mit der Religion?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir an die Menschheit vor dem Fall zurückdenken. In jenen glorreichen Tagen wandelte Adam von Angesicht zu Angesicht mit Gott. Er brauchte keinen heiligen Ort, denn jeder Ort war von dem Wunder und der Ehrfurcht vor Gottes Gegenwart erfüllt. Er brauchte keinen heiligen Tag, denn jeder Augenblick war mit dem Bewusstsein Gottes lebendig. Und Er brauchte keinen heiligen Mann, um zwischen ihnen zu stehen. Als Mensch nahm Adam seinen rechtmäßigen Platz ein, indem er sich ohne Vorbehalt oder Furcht seinem Schöpfer unterwarf und von Ihm lernte. Er handelte direkt mit Gott - so, wie ein Geschöpf mit einem Schöpfer, gewiss, aber auch so, wie ein innig geliebter Sohn mit einem vollkommen liebenden Vater.

All das hat die Menschheit im Sündenfall verloren.

Hat die menschliche Religion das wiedergewonnen, was im Fall verloren gegangen ist? Hat es deine Seele befriedigt - wirklich? Oder hat sie meistens einen Ersatz für die Realität geboten, die Adam vor nicht allzu langer Zeit im Garten erlebte? Willst du wirklich, dass dein Leben in verschiedene Bereiche aufgeteilt wird, wobei ein paar besondere Zeiten, Orte oder Menschen in die Kategorie „heilig“ und der Rest in die Kategorie „weltlich“ eingeordnet werden?

Was wäre, wenn Gott dir stattdessen eine zweite Chance auf den Baum des Lebens geben würde? Was wäre, wenn Er dir anbieten würde, den Frieden, die Freundschaft und das Leben von Augenblick zu Augenblick wiederherzustellen, die Adam vergeudet hat?

Würdest du den Mut haben, Ihn beim Wort zu nehmen?

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