Impulsivität oder Jüngerschaft?

27/12/2005

Erbaut euch auf euren allerheiligsten Glauben... (Judas 20)

Der Herr hat weder etwas Impulsives noch Gedankenloses an sich; sondern nur eine ruhige Kraft, die niemals in Panik gerät. Die meisten von uns gestalten ihr Christentum ihrem Temperament entsprechend und nicht der Natur Gottes entsprechend. Impulsivität ist eine Eigenschaft unseres natürlichen Wesens, dem der Herr jedoch keine Beachtung schenkt, weil diese Eigenschaft in der Entwicklung eines Jüngers ein großes Hindernis ist. Achte einmal darauf, wie der Geist Gottes uns vor plötzlichen Impulsen warnt. Seine Dämpfer rufen eine mächtige Aufwallung unserer ichhaften Torheit hervor, die sofort das Bedürfnis in uns wachruft, uns zu rechtfertigen. Impulsivität ist in Ordnung an einem Kinde; doch in einem Mann oder in einer Frau wird sie verhängnisvoll. Wer seinen natürlichen Impulsen folgt, ist immer ein verwöhnter Mensch. Natürliche Impulsivität muss durch Selbstzucht in eine unmittelbare Bereitschaft, der höheren Eingebung zu folgen, verwandelt werden.

Jüngerschaft ist ganz und gar auf die übernatürliche Gnade Gottes aufgebaut. Es fällt unserem impulsiven Wagemut leicht, auf dem Wasser zu gehen; etwas anderes ist es aber, als ein Jünger Christi auf dem trockenen Lande zu laufen. Petrus ging auf dem Wasser, um zu Jesus zu gehen; doch folgte er Ihm später auf dem Lande nur „von ferne“ (Markus 14,54). Es gibt gewisse Schwierigkeiten, in denen wir der Gnade Gottes nicht bedürfen, um sie bestehen zu können; die menschliche Natur und die Eitelkeit sind dabei ausreichend, so dass wir ihnen sehr leicht standhalten können. Um jedoch täglich 24 stundenlang als Heiliger leben zu können, und als Jünger durch die Mühsal des Alltags hindurchgehen und ein ganz gewöhnliches, unbeachtetes, unbekanntes Dasein führen zu können, bedürfen wir der Gnade Gottes. Der Gedanke, dass wir für Gott außergewöhnliche Dinge vollbringen müssen, ist uns angeboren; doch wird dies gar nicht von uns verlangt. Wir müssen in den gewöhnlichen Dingen außergewöhnlich sein; wir müssen in gewöhnlichen Vierteln unter gewöhnlichen Leuten heilig sein - und das lernt sich nicht in 5 Minuten.

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