Die Trübsal, das Königreich und die Ausdauer
24/6/2001
Die Trübsal ergibt sich zwangsläufig aus der Tatsache, dass die Gemeinde nicht von der Welt ist und doch in der Welt ist. Die Gemeinde ist ein Fremdkörper inmitten der Welt. Die Gemeinde ist von oben geboren und in absoluter Treue zu Jesus Christus verpflichtet, das heißt, einer Treue außerhalb der Welt, einer fremden Treue. Weil die Gemeinde von Oben ist, ist sie eine radikal beunruhigende Tatsache in der Welt. Sie ist ein störendes Element, das im Laufe der Geschichte Spannungen zwischen Nationen und Unruhe erzeugt. So wie Jesus Christus inmitten einer sündigen Welt unweigerlich zum Sturmzentrum für die menschliche Sünde und ihre schuldhaften Reaktionen wurde, die am Kreuz endeten, so schafft die christliche Gemeinde, soweit sie Jesus Christus treu und wahrhaftig bleibt, unweigerlich Unruhe und Gärung und zieht die gewaltsame Reaktion des Bösen auf sich. Die Gemeinde kann keine wahre Gemeinde sein, ohne Unruhe zu stiften. Sie ist, wie Jesus sagte, wie ein Feuerball, der auf die Erde geworfen wird.
Je mehr die Gemeinde dem Kreuz Christi treu ist, desto mehr wird sie leiden, desto mehr wird sie Feindseligkeit provozieren und desto größer wird ihre Trübsal sein. Gleichzeitig hat Gott einen Zweck in dieser Trübsal, denn durch die Konflikte und Kämpfe der Gemeinde stellt Gott die Gemeinde auf die Probe, um sie zu läutern. So wird die Gemeinde durch Trübsal immer wieder auf ihre erste Liebe in der Reinheit des Evangeliums zurückgeworfen. Die Gemeinde, die nicht wirklich leidet, hat das Kreuz Christi verleugnet. Deshalb ist der Geist so streng mit der Gemeinde in Laodizea, die sich in ihrer Seele wohlfühlt und mit der Welt eins ist und sich dem Konflikt entzogen hat, durch den allein die Flamme des Evangeliums sich ausbreiten und die Gemeinde rein gehalten werden kann. Die höchste Wahrheit besteht hierin: Die Gemeinde existiert und wächst in der Trübsal.
Das Neue Testament lässt uns nie vergessen, dass Jesus Christus der König ist und dass in Ihm das Reich Gottes endgültig in unsere Welt eingebrochen ist. Die Christliche Gemeinde ist, selbst in ihrer Trübsal, der Ort, an dem der König regiert und Seinen Hof hält, der König, der der Erste und der Letzte ist und der die Schlüssel des Lebens und des Todes hat. Lasst uns nie die Tatsache vergessen, dass Jesus Christus auf die Erde gekommen ist, um eine gewaltige Tat zu vollbringen, die die Geschichte rückgängig machen wird. Er ist hier, um die Macht des Bösen zu brechen und die Gefangenen zu befreien. Er ist hier, um Fürstentümer und Mächte zu entblößen, sie an Sein Kreuz zu nageln und offen über sie zu triumphieren. Er ist hier, um Krieg zu führen, um mit einer Feuertaufe getauft zu werden. Er ist der große Stein, der vom Himmel geschleudert wird und das Abbild des menschlichen Imperiums zerschmettert, sodass Eisen und Messing, Silber und Gold in Stücke zerbrechen und wie Sommerspreu werden. Täuschen wir uns nicht. Das Kreuz Jesu Christi steht noch immer im Feld. Das Böse mag den Anschein erwecken, die Initiative ergriffen zu haben und der Aggressor zu sein. Der Glaube erkennt jedoch hinter dieser äußeren Fassade, dass der eigentliche Akt der Aggression die Menschwerdung ist.
Geht noch einmal zurück zur Evangeliums-Geschichte des historischen Christus und beobachtet, wie Er auf das Kreuz zuschreitet. Seht, wie Jesus vor allem in dieser letzten Woche bewusst eine Herausforderung annahm. Er marschierte direkt auf Jerusalem zu und warf alles in die Schlacht, um die Nation zu einer endgültigen Entscheidung zu drängen. So hielt Jesus den Finger Gottes fest auf das Volk gedrückt, provozierte das Böse bewusst zu seiner endgültigen und vollständigen Reaktion und machte sich dann daran, sich mit ihm durch die Kraft und heilige Liebe Gottes, des Allmächtigen, auseinanderzusetzen. Es war ein Akt der Aggression seinerseits. So muss auch die Gemeinde Christi in verzweifelter Dringlichkeit voranschreiten und die Nationen herausfordern, eine endgültige Entscheidung zu treffen, auch wenn dies eine unglaubliche Umwälzung und die Dezimierung der Gemeinde bedeutet. Sie weiß, wie sie ihr Herz erheben kann, wenn diese Dinge geschehen, denn dann naht die mächtige Erlösung. „Siehe, Ich komme schnell.“
(TF. Torrance, 1959)